Dosiert
unsere Kolumne

Während in München gerade wieder die Wiesn ihre Tore geöffnet hat und Millionen Menschen durch die Festzelte ziehen, habe ich Ende August eine andere Zahl gelesen, die mich mindestens genauso hat aufhorchen lassen: Der ifo-Geschäftsklimaindex ist zum vierten Mal in Folge gestiegen – und zwar auf 88,8 Punkte. Damit fiel der Anstieg von 86,7 Punkten im Vormonat deutlich stärker aus, als selbst Analysten erwartet hatten. Und das, obwohl der Iran-Krieg anhält, die Hitze der Wirtschaft laut ersten Schätzungen einen zweistelligen Milliardenbetrag gekostet hat und der Rhein streckenweise kaum noch Wasser geführt hat. Ich sehe den gestiegenen Index daher als Paukenschlag – und als bemerkenswertes Gegengewicht zu all den Dämpfern, von denen zuletzt (und immer wieder) die Rede ist.“

Genau darüber habe ich in den vergangenen Tagen auch mit meinem Co-Geschäftsführer Fabian Kretschmer öfter gesprochen: Warum ist ein Land, über das man seit Monaten vor allem Sorgenmeldungen liest, wirtschaftlich robuster, als es die Schlagzeilen vermuten lassen? Meine Antwort darauf: Resilienz zeigt sich nicht darin, dass die äußeren Bedingungen gut sind. Sie zeigt sich darin, wie zügig man sich auf schlechte einstellt.

Das gilt für unsere Branche in besonderem Maße – und man muss dafür nicht weit schauen. Auf der Wiesn laufen jeden Tag Hunderttausende Bestellungen, Lieferungen und Logistikketten reibungslos zusammen, obwohl Wetter, Nachschub und Andrang von Tag zu Tag unterschiedlich sind. Auch bei Paul M. Müller können wir Ernteausfälle durch Trockenheit nicht verhindern, Frachtraten nicht diktieren und geopolitische Spannungen nicht auflösen. Was wir beeinflussen können, ist, wie früh wir eine Entwicklung erkennen, wie offen wir unsere Kunden informieren, wenn sich Lieferzeiten verschieben, und wie schnell unser Team eine Alternative findet, wenn der ursprüngliche Plan nicht mehr trägt.

Das klingt unspektakulär. Ist es meistens auch. Aber es ist genau die Arbeit, die im Hintergrund passiert, während die großen Schlagzeilen woanders geschrieben werden – und die am Ende darüber entscheidet, ob eine Lieferung ankommt oder eben nicht. Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis hinter der ifo-Zahl: Auch in einem Umfeld mit spürbarem Gegenwind lässt sich Kurs halten – wenn genug Menschen bereit sind, die Segel entsprechend zu setzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Lektüre unserer aktuellen Food News – mit Entwicklungen aus den Rohwarenmärkten und allem, was unsere Branche gerade bewegt.

Herzlichst
Ihr Thomas Schneidawind

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