
Frau Weidner, Foodtrucks erleben seit Jahren einen Boom. Was macht dieses Modell aus Ihrer Sicht so erfolgreich?
Der größte Vorteil ist unsere Mobilität – und damit die Flexibilität. Foodtrucks sind nicht an einen Standort gebunden. Wir können selbst entscheiden, welche Aufträge wir annehmen, wohin wir fahren und wie wir unser Angebot anpassen. Ein Foodtruck ist im Idealfall ein wandelndes Konzept, das sich mit modularen Systemen schnell auf unterschiedliche Anforderungen einstellen lässt. Diese Beweglichkeit unterscheidet uns deutlich von der stationären Gastronomie. Den direkten Zugang zur Foodtruck-Welt hatte ich schon früh über meinen Vater, der selbst Foodtrucks betrieben hat. Während des ersten Corona-Lockdowns habe ich aus nächster Nähe erlebt, wie viele Trucks plötzlich ohne Aufträge dastanden – jeder für sich, ohne Struktur oder Austausch. Genau daraus ist die Idee entstanden, Foodtrucks stärker zu vernetzen und professionell zu bündeln.
Für alle, die Sie noch nicht kennen: Wie ist Ihr Modell konkret aufgebaut?
Wir konzentrieren uns ausschließlich auf Foodtruck-Catering für Unternehmen – also auf planbare Events wie Sommerfeste, Mitarbeiterevents oder Weihnachtsfeiern. Festivals oder öffentliches Tagesgeschäft machen wir bewusst nicht. Wenn ein Unternehmen ein Event plant, zum Beispiel für 200 oder 1.000 Personen, kommt eine zentrale Anfrage zu uns. Diese Anfrage spielen wir in unser Netzwerk von über 160 Foodtrucks in ganz Deutschland aus.
Was bedeutet dieses Modell für Organisation, Warenplanung und Einkauf?
Die Gästezahlen stehen im Vorfeld fest, die Termine sind klar definiert. In der Regel reagieren Foodtrucks aus der jeweiligen Region. Das sorgt für kurze Wege und gebündelte Einsätze. Für die Foodtrucks – und auch für Lieferanten – bedeutet das eine sehr gute Planbarkeit. Mengen, Einkaufslisten und Lieferbedarfe lassen sich deutlich besser kalkulieren als im klassischen Tagesgeschäft.
Und wenn ein Kunde ein bestimmtes Foodtruck-Konzept wünscht?
Franziska Weidner: Dann kann es auch vorkommen, dass ein Foodtruck aus einer anderen Region anreist. Die zusätzlichen Fahrtkosten werden einkalkuliert. An der Warenlogistik ändert sich aber nichts: Es geht weiterhin um klar definierte Catering-Mengen, nicht um spontane Nachfrage.
Sie setzen Foodtrucks auch als Kantinenersatz ein. Wie funktioniert das in der Praxis?
Wir docken gezielt an Firmen in Gewerbegebieten an, die kein eigenes Mittagsangebot haben. Für klassische Kantinen sind diese Volumina oft zu klein, für Foodtrucks ideal. Mitarbeitende werden regelmäßig mittels einer solchen mobilen Kantine versorgt – an festen Tagen, mit bekannten Portionszahlen und klaren Abläufen. Das macht die Warenplanung sehr effizient.
Unterscheidet sich der Warenbedarf von Foodtrucks stark von dem klassischer Gastronomiebetriebe?
Ja, deutlich. Foodtrucks arbeiten selten mit À-la-carte-Geschäft. Wir wissen im Vorfeld genau, wie viele Portionen an welchem Tag benötigt werden. Das verändert den Einkauf komplett. Restaurants, die sieben Tage die Woche geöffnet haben, müssen viel stärker auf Unsicherheiten reagieren. Foodtrucks können gezielter einkaufen, haben kleinere Speisekarten und müssen sehr schnell arbeiten – auch wegen des begrenzten Platzes.
Welche Rolle spielen haltbare Produkte und Convenience-Lösungen im Foodtruck-Alltag?
Eine sehr große. Gerade im Catering ist Planbarkeit wichtig, aber es bleiben auch Mengen übrig. Haltbare Produkte ermöglichen es, Reste sinnvoll weiterzuverwenden und Food Waste zu vermeiden. Viele Foodtrucks haben keine Lagerhalle, sondern nur Garagen oder Kellerräume. Mehrmals pro Woche beliefert zu werden, ist oft nicht möglich. Produkte müssen deshalb gut lagerfähig und flexibel einsetzbar sein.
Nach welchen Kriterien wählen Foodtrucks ihre Produkte aus?
Es ist immer eine Mischung aus Preis, Qualität, Haltbarkeit, Gebindegröße und Flexibilität. Es gibt Foodtrucks, die sehr großen Wert auf Qualität legen und immer mit denselben hochwertigen Produkten arbeiten. Andere sind stärker preisgetrieben. Entscheidend ist, dass Produkte zur Arbeitsrealität im Truck passen und effizient einsetzbar sind.
Welche Produktkategorien sind dabei besonders relevant?
Alles, was sich gut vorbereiten, lagern und schnell einsetzen lässt – zum Beispiel Saucen, Fonds, Brühen, vegane Komponenten oder Produkte, die sich gut portionieren lassen. Auch Getränke spielen eine große Rolle, gerade bei Caterings und in der mobilen Kantinenversorgung.
Welche Bedeutung haben Dosen und klassische Convenience-Produkte?
Dosen sind extrem praktisch. Sie lassen sich gut lagern, transportieren und portionieren. Man öffnet nur so viel, wie man tatsächlich braucht. Gerade nach Caterings ist das ein großer Vorteil, weil übrig gebliebene Ware nicht entsorgt werden muss. Das verbessert die Kalkulation und reduziert Verluste.
Welche Verpackungen funktionieren im Foodtruck weniger gut?
Glas ist der absolute Worst Case – das geht im Foodtruck gar nicht. Bruchgefahr, Gewicht und Platzbedarf sind zu groß. Auch sehr große Gebinde sind schwierig, weil der Stauraum extrem begrenzt ist.
Was wünschen Sie sich konkret von Herstellern und Lieferanten?
Kleinere Gebindegrößen und mehr Flexibilität. Viele Foodtrucks können keine großen Mengen abnehmen, sind aber trotzdem relevante Kunden. Bag-in-Box-Lösungen wären ideal, weil sie platzsparend sind und sich nach dem Leeren kompakt entsorgen lassen. Ein konkretes Beispiel wäre Wasser in Dosen. PET ist unbeliebt, Glas nicht praktikabel. Flexible Lösungen wären sowohl für Getränke als auch für den Einsatz beim Kochen sehr interessant.
Wie treffen Foodtrucks Einkaufsentscheidungen?
Sehr auftragsbezogen. Bei gut planbaren Caterings wird frisch eingekauft. Bei unklaren Mengen oder großen Veranstaltungen greift man eher auf haltbare Produkte zurück. Es geht darum, die Produkte intelligent an die jeweilige Situation anzupassen.
Hat sich der Umgang mit Convenience-Produkten in den letzten Jahren verändert?
Ja, deutlich. Die Produkte sind besser geworden, vor allem im veganen Bereich. Auch frische Produkte sind heute oft länger haltbar oder effizienter einsetzbar. Das erweitert die Möglichkeiten im Foodtruck deutlich.
Welche kulinarischen Trends sehen Sie aktuell?
Vegan wird weiter wachsen. Gleichzeitig sehen wir eine Rückkehr zur bodenständigen Küche. Es muss nicht immer das Hippste sein. Ofenkartoffeln sind gerade ein großes Thema, ebenso ehrliche Fleischgerichte mit klarer Herkunft. Qualität und Transparenz gewinnen an Bedeutung. Und natürlich spielt auch die Optik eine Rolle – Essen darf „instagrammable“ sein.
Haben neue Foodtrucks trotz des Wettbewerbs noch Chancen?
Auf jeden Fall. Auch für stationäre Gastronomen ist ein Foodtruck ein sinnvolles Zusatzgeschäft. Man wird mobiler, kann Caterings einfacher bedienen und neue Zielgruppen erreichen. Produkte, die im Foodtruck nicht verkauft werden, lassen sich oft im Restaurant weiterverwenden – und umgekehrt.
Sie arbeiten in einer sehr traditionell geprägten Branche. Wie erleben Sie das als Unternehmerin?
Mut zu haben, Dinge anders zu machen, zahlt sich aus – auch wenn man zwischendurch mal hinfällt. Gerade in einer traditionellen Branche braucht es manchmal genau diesen Schritt nach vorn.
Zur Person:
Franziska Weidner ist gelernte Veranstaltungskauffrau. Ihre Ausbildung absolvierte sie im Münchner Hofbräukeller, anschließend arbeitete sie dort mehrere Jahre als Restaurant- und Veranstaltungsleiterin. Danach wechselte sie zu Do&Co und war unter anderem in der Allianz Arena und im Olympiapark tätig. Franziska Weidner hat ihre Foodtruck-Catering-Plattform „Food Trucks United“ während des ersten Corona-Lockdowns gegründet. Heute arbeitet sie mit einem deutschlandweiten Netzwerk von über 160 Foodtrucks zusammen. Das Geschäftsmodell konzentriert sich bewusst auf planbares Foodtruck-Catering für Unternehmen – von Sommerfesten über Mitarbeiterevents bis hin zu mobilen Kantinenlösungen. Mehr Infos unter: https://www.foodtrucksunited.de