Manche Momente brennen sich ein – nicht, weil sie laut oder spektakulär sind, sondern weil sie echt sind. Ein Nachbar, der ungebeten Hilfe leistet. Ein Teammitglied im Unternehmen, das trotz Stress mit einem Lächeln weitermacht. Ein Blick in den Gastraum, in dem Gäste lachen. Diese Szenen sind es, die mir in den Kopf kommen, wenn ich über das Leben und unsere Branche nachdenke – und darüber, wie viel sich gerade verändert.
Über Emotionen hat auch Silja Steinberg gesprochen – Wirtin des Hofbräukellers am Wiener Platz und des Hofbräuzelts auf dem Oktoberfest in München –, als in der vergangenen Woche der Leaders Club mit seiner Veranstaltungsreihe „Gastro Sessions“ in den Räumen des Hofbräukellers zusammenkam. Der Leaders Club – ein Netzwerk von gastronomiebegeisterten Menschen und Unternehmen – brachte einmal mehr Unternehmer:innen, Branchenkenner:innen und Gründer:innen zusammen, um in Panels und Vorträgen zu diskutieren und sich auszutauschen. Das Motto: „Menschen, Marken & Emotionen.“ Und es stimmt: Egal ob auf dem Markt, in der Küche oder im Logistikzentrum – ohne Emotionen, ohne Leidenschaft, ohne Menschen funktioniert nichts.
Dabei stehen wir mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Fahrerlose Lkw sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern Teil der Realität. Die ersten autonomen Trucks fahren auf Schnellstraßen im Pendelverkehr. Das ist nicht nur eine technologische Meisterleistung – es ist auch ein Hoffnungsschimmer für eine Branche, die unter Personalengpässen leidet. Und während sich auf der Straße Innovationen abzeichnen, gerät auch der globale Warenfluss erneut unter Druck: Zwischen China und den USA ziehen die Frachtraten stark an – über 50 Prozent mehr Volumen meldet Hapag-Lloyd auf dieser Route. Die Folge: Engpässe bei Containern, fehlendes Equipment in europäischen Häfen, steigende Kosten. Wer Waren bewegt, muss aktuell flexibel und vorausschauend handeln.
Gleichzeitig rückt auch die politische Bühne in den Fokus: Die Rückkehr zur regulären Mehrwertsteuer in der Gastronomie wird kontrovers diskutiert – ich sehe darin ein gutes Signal. Es zeigt: Die Branche wird wieder als das wahrgenommen, was sie ist – ein starker, eigenständiger Wirtschaftszweig mit Zukunft.
Und was bleibt bei all dem Wandel? Emotionen. Ich glaube fest daran, dass unsere Branche – egal ob Gastronomie oder Lebensmittelhandel – mehr denn je gebraucht wird: als Ort der Begegnung, als Motor für Innovationen, als Spiegel unserer Gesellschaft. Denn am Ende zählen nicht nur perfekte Abläufe, sondern das gute Gefühl, das wir bei Menschen hinterlassen.
Herzlichst,
Ihr Thomas Schneidawind