{"id":20798,"date":"2026-09-21T09:13:57","date_gmt":"2026-09-21T07:13:57","guid":{"rendered":"https:\/\/we-love-adria.com\/?remote_marktbericht=interview-axel-lehnen"},"modified":"2026-09-21T09:13:57","modified_gmt":"2026-09-21T07:13:57","slug":"interview-axel-lehnen","status":"publish","type":"remote_marktbericht","link":"https:\/\/we-love-adria.com\/en\/?remote_marktbericht=interview-axel-lehnen","title":{"rendered":"Interview: Axel Lehnen"},"content":{"rendered":"","protected":false},"featured_media":20799,"template":"","categories":[81],"class_list":["post-20798","remote_marktbericht","type-remote_marktbericht","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-interview"],"acf":{"typ":false,"anzeige_extern":"ja","titel_1":"\u201eWenn ich eine neue Software einf\u00fchre, habe ich die Chance, auch neu zu denken\u201c","titel_2":"\u2013 Axel Lehnen","sub-titel":"","zusammenfassung":"K\u00fcnstliche Intelligenz und digitale L\u00f6sungen ver\u00e4ndern die Lebensmittelwirtschaft. Welche Chancen daraus entstehen und wo noch Nachholbedarf besteht, dar\u00fcber spricht Paul M. M\u00fcller mit Axel Lehnen von Aptean. Der Anbieter branchenspezifischer Unternehmenssoftware arbeitet mit integrierten KI-L\u00f6sungen und hat seinen Sitz in Ettlingen.","langtext":"<p><strong>Herr Lehnen, wenn wir auf die Lebensmittelwirtschaft schauen: Welche Tech-Trends werden die Branche in den kommenden Jahren besonders pr\u00e4gen?<\/strong><br \/>\nGanz klar k\u00fcnstliche Intelligenz als Technologie und konkrete KI-Funktionen. Sie werden in vielen Branchen gro\u00dfe Auswirkungen haben \u2013 nat\u00fcrlich auch in der Lebensmittelwirtschaft. Ein wichtiges Thema ist zum Beispiel die R\u00fcckverfolgbarkeit: von der Ernte bis zum fertigen Produkt. Gerade in der Lebensmittelindustrie muss ja nachvollziehbar sein, woher ein Produkt beziehungsweise ein Rohstoff kommt und welchen Weg er genommen hat \u2013 dasund kann das Qualit\u00e4tsmanagement unterst\u00fctzen. Auch K\u00fchlketten k\u00f6nnen digital \u00fcberwacht werden. Durch Digitalisierung und KI haben Unternehmen zunehmend die M\u00f6glichkeit, Daten aus unterschiedlichen Umgebungen zusammenzuf\u00fchren und Prozesse automatisiert abzubilden.<\/p>\n<p><strong>KI ist also bereits ein gro\u00dfes Thema. Wie gut ist die Lebensmittelwirtschaft denn grunds\u00e4tzlich bei der Digitalisierung aufgestellt?<\/strong><br \/>\nWie in vielen anderen Branchen war man eher zur\u00fcckhaltend. Das hat sicherlich auch mit Investitionsunsicherheit zu tun. Viele Unternehmen haben bei neuen Technologien und Systemumgebungen lange abgewartet. Das beginnt schon bei der grunds\u00e4tzlichen Frage: Habe ich meinen eigenen Server im Unternehmen, lasse ich ihn bei einem Provider betreiben oder gehe ich in die Cloud? Der Wille zur Digitalisierung ist da, bei der Umsetzung war man jedoch h\u00e4ufig noch zaghaft. Deshalb besteht durchaus Nachholbedarf, auch wenn Unternehmen die entsprechend notwendigen Investionen scheuen.<\/p>\n<p><strong>Wo sollten Unternehmen aus Ihrer Sicht zuerst ansetzen?<\/strong><br \/>\nEin wichtiger Punkt ist, Prozesse zu verschlanken und grunds\u00e4tzlich zu hinterfragen. Muss ich Mitarbeiter immer wieder in denselben manuellen Abl\u00e4ufen schulen? Oder kann ich bestimmte Prozesse automatisieren? Gerade eine Softwareumstellung bietet die Gelegenheit, jeden Prozessschritt anzuschauen und zu fragen: Ist das noch notwendig oder geht es auch anders? Daf\u00fcr braucht es neben der Investitionsbereitschaft auch personelle Ressourcen und die Unterst\u00fctzung der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung.<\/p>\n<p><strong>Welche Abl\u00e4ufe werden heute noch manuell erledigt, obwohl es l\u00e4ngst anders gehen k\u00f6nnte?<\/strong><br \/>\nEin gutes Beispiel ist der Verkauf. Bestellungen erreichen ein Unternehmen auf ganz unterschiedlichen Wegen: Ein Kunde ruft an, eine Bestellung kommt per E-Mail oder bereits als strukturierter Datensatz \u00fcber eine Schnittstelle. Solche Vorg\u00e4nge lassen sich zunehmend KI-gest\u00fctzt automatisieren. Ein KI-Agent kann die eingehenden Informationen verarbeiten und daraus einen Auftrag generieren \u2013 bis hin zur weiteren Verarbeitung und Rechnungsstellung.<\/p>\n<p><strong>Wenn solche Routinet\u00e4tigkeiten wegfallen, kommt schnell die Sorge auf, dass auch weniger Personal gebraucht wird\u2026<\/strong><br \/>\nNat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir dadurch Ressourcen sparen. Entscheidend ist f\u00fcr mich aber, dass Mitarbeiter von repetitiven T\u00e4tigkeiten entlastet werden und mehr Zeit f\u00fcr wichtigere Aufgaben haben. Das Erfassen eines Auftrags kann beispielsweise automatisiert werden, die Kontrollfunktion bleibt aber beim Menschen. Mitarbeiter m\u00fcssen weiterhin pr\u00fcfen und Besonderheiten ber\u00fccksichtigen, die das System nicht kennen kann. Die manuelle Erfassung wird weniger, die fachliche Kontrolle bleibt.<\/p>\n<p><strong>Gerade angesichts des Fachkr\u00e4ftemangels k\u00f6nnte diese Entlastung aber ein wichtiger Faktor sein, oder?<\/strong><br \/>\nDefinitiv. Das ist aus meiner Sicht einer der gro\u00dfen Hebel. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkr\u00e4ftemangels ist es wichtig, Mitarbeiter von manuellen Routinet\u00e4tigkeiten zu entlasten. So k\u00f6nnen sie sich st\u00e4rker auf Aufgaben konzentrieren, bei denen ihre Erfahrung und fachliche Kompetenz gefragt sind. Es geht f\u00fcr mich nicht darum, Menschen durch Technologie zu ersetzen, sondern ihre Arbeit sinnvoll zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Damit solche automatisierten Prozesse funktionieren, braucht es eine entsprechende Datengrundlage. Welche Rolle spielen Daten heute entlang der Wertsch\u00f6pfungskette?<\/strong><br \/>\nDaten sind das A und O \u2013 egal, ob wir \u00fcber Automatisierung, Digitalisierung oder KI sprechen. Wenn die notwendigen Daten nicht vorhanden sind, kann auch der Prozess nicht funktionieren. Deshalb sollten Informationen aus unterschiedlichen Systemen m\u00f6glichst zentral zusammengef\u00fchrt werden. Das ist beispielsweise f\u00fcr das Berichtswesen, das Qualit\u00e4tsmanagement oder die R\u00fcckverfolgbarkeit wichtig. Viele Informationen wurden in der Vergangenheit noch manuell in Excel-Tabellen gepflegt. Davon sollten wir wegkommen. Eine Softwareumstellung ist deshalb auch eine gute Gelegenheit, aufzur\u00e4umen: Ein ERP-System* wird h\u00e4ufig f\u00fcnf bis zehn Jahre genutzt, in dieser Zeit sammeln sich zwangsl\u00e4ufig Daten an, die irgendwann nicht mehr gebraucht werden. Ich nenne sie einmal \u201eKarteileichen\u201c. Deshalb schauen wir bei einer Umstellung genau hin: Wo liegen die Daten? Sind sie noch aktuell? Welche ben\u00f6tigen wir wirklich? Das ist die Chance, sich von Datenm\u00fcll zu trennen und Strukturen neu zu organisieren.<\/p>\n<p><strong>Und vermutlich findet sich dabei einiges, das gar nicht im zentralen System liegt, sondern in eigenen Excel-Listen der Mitarbeitenden?<\/strong><br \/>\nJa. Als Berater schaue ich mir beispielsweise gerne die Excel-Listen der Mitarbeiter an. Da stellt man h\u00e4ufig fest, dass Informationen zus\u00e4tzlich manuell gepflegt werden. Vielleicht f\u00fchrt der Kollege am Schreibtisch daneben sogar eine \u00e4hnliche Liste. Dann stellt sich die Frage: Warum f\u00fchren wir diese Informationen mehrfach und k\u00f6nnen wir sie nicht zentral im System abbilden?<\/p>\n<p><strong>All das kostet zun\u00e4chst einmal Geld. Wie erleben Sie die Investitionsbereitschaft angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit?<\/strong><br \/>\nWir sehen seit geraumer Zeit eine gewisse Investitionszur\u00fcckhaltung in vielen Branchen. Das merken wir nat\u00fcrlich auch als IT-Dienstleister. Aber gerade eine ruhigere Phase kann ein guter Zeitpunkt sein, um sich auf das zuk\u00fcnftige Gesch\u00e4ft vorzubereiten. Letztlich geh\u00f6rt es zum Unternehmertum, trotz Unsicherheit zu entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt f\u00fcr eine Modernisierung gekommen ist.<\/p>\n<p><strong>Wer heute investiert, muss auch \u00fcberlegen, welche Technologien morgen wirklich relevant sind. Was wird uns aus Ihrer Sicht in den n\u00e4chsten Jahren am st\u00e4rksten besch\u00e4ftigen?<\/strong><br \/>\nAus unserer Sicht eindeutig die KI-gest\u00fctzte Bearbeitung von Prozessen und Aufgaben. Wir nutzen solche Anwendungen auch selbst und sehen, wie sehr sie uns unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Das Thema entwickelt sich enorm schnell. Ich gehe davon aus, dass uns KI in den n\u00e4chsten zwei bis drei Jahren massiv besch\u00e4ftigen wird. Viel weiter w\u00fcrde ich im IT-Bereich momentan gar nicht in die Zukunft schauen. Daf\u00fcr ver\u00e4ndert sich zu viel in zu kurzer Zeit.<\/p>\n<p><strong>Bei der Vielzahl neuer KI-L\u00f6sungen d\u00fcrfte es f\u00fcr Unternehmen allerdings schwierig sein, zu entscheiden, was tats\u00e4chlich sinnvoll ist. Wie gehen Sie damit um?<\/strong><br \/>\nWir werden momentan fast w\u00f6chentlich mit neuen Themen konfrontiert. Auch wir als Berater m\u00fcssen deshalb sortieren: Was davon bringt einem Unternehmen tats\u00e4chlich einen Mehrwert und welches Werkzeug passt zum jeweiligen Kunden? Es geht nicht darum, KI einzusetzen, nur weil sie gerade \u00fcberall diskutiert wird. Die Anwendung muss zum Unternehmen und zu seinen Prozessen passen.<\/p>\n<p><strong>Ein Unternehmen, das diesen Weg gerade geht, ist Paul M. M\u00fcller. Was genau steckt hinter diesem Projekt?<\/strong><br \/>\nWir unterst\u00fctzen Paul M. M\u00fcller dabei, die bestehenden Prozesse zu \u00fcberpr\u00fcfen und sie in einer neuen Softwareumgebung bestm\u00f6glich abzubilden. Dazu geh\u00f6ren die Stammdaten genauso wie Finanzbuchhaltung, Verkauf, Einkauf, Produktion, Logistik und Management. Im Grunde machen wir eine Bestandsaufnahme der Unternehmensprozesse und \u00fcberlegen: Was ist heute vorhanden und wie k\u00f6nnen wir es k\u00fcnftig besser abbilden?<\/p>\n<p><strong>Welchen Fehler sollten Unternehmen bei einer solchen Modernisierung vermeiden?<\/strong><br \/>\nEinfach aus alt neu zu machen. Wenn ich eine neue Software einf\u00fchre und alle alten Daten und Prozesse eins zu eins \u00fcbernehme, habe ich am Ende zwar eine neue Oberfl\u00e4che, aber im Grunde noch dieselben Strukturen. Deshalb sollte man die Gelegenheit nutzen und fragen, bestehende Abl\u00e4ufe grunds\u00e4tzlich zu hinterfragen, statt sie einfach in die neue Systemwelt zu \u00fcbertragen. In der IT sprechen wir dabei auch von einem Greenfield-Ansatz. Man startet auf der gr\u00fcnen Wiese und \u00fcbernimmt nur das, was tats\u00e4chlich ben\u00f6tigt wird. Wenn ein Unternehmen bereit ist, diesen Weg zu gehen und seine bisherigen Abl\u00e4ufe wirklich zu hinterfragen, macht ein solches Projekt auch Spa\u00df.<\/p>\n<p>*zentrale Software zur Steuerung und Verwaltung eines Unternehmens \u2013 etwa in den Bereichen Lager, Verkauf, Finanzen, Einkauf, Personal oder Produktion.<\/p>\n<p><strong>Zur Person:<\/strong><br \/>\nAxel Lehnen ist Senior Projektleiter bei Aptean und begleitet Unternehmen bei der Einf\u00fchrung und Modernisierung von Unternehmenssoftware. In seiner Arbeit besch\u00e4ftigt er sich unter anderem mit der Optimierung und Digitalisierung von Gesch\u00e4ftsprozessen sowie mit der Frage, wie sich neue Technologien sinnvoll in bestehende Abl\u00e4ufe integrieren lassen. Aktuell begleiten er und sein Projekt-Team Paul M. M\u00fcller bei der Umstellung auf Microsoft Dynamics 365 Business Central in Verbindung mit der F&amp;B L\u00f6sung von Aptean.<\/p>\n","interview_komplett_lang":"<p><strong>Herr Lehnen, wenn wir auf die Lebensmittelwirtschaft schauen: Welche Tech-Trends werden die Branche in den kommenden Jahren besonders pr\u00e4gen?<\/strong><br \/>\nGanz klar k\u00fcnstliche Intelligenz als Technologie und konkrete KI-Funktionen. Sie werden in vielen Branchen gro\u00dfe Auswirkungen haben \u2013 nat\u00fcrlich auch in der Lebensmittelwirtschaft. Ein wichtiges Thema ist zum Beispiel die R\u00fcckverfolgbarkeit: von der Ernte bis zum fertigen Produkt. Gerade in der Lebensmittelindustrie muss ja nachvollziehbar sein, woher ein Produkt beziehungsweise ein Rohstoff kommt und welchen Weg er genommen hat \u2013 dasund kann das Qualit\u00e4tsmanagement unterst\u00fctzen. Auch K\u00fchlketten k\u00f6nnen digital \u00fcberwacht werden. Durch Digitalisierung und KI haben Unternehmen zunehmend die M\u00f6glichkeit, Daten aus unterschiedlichen Umgebungen zusammenzuf\u00fchren und Prozesse automatisiert abzubilden.<\/p>\n<p><strong>KI ist also bereits ein gro\u00dfes Thema. Wie gut ist die Lebensmittelwirtschaft denn grunds\u00e4tzlich bei der Digitalisierung aufgestellt?<\/strong><br \/>\nWie in vielen anderen Branchen war man eher zur\u00fcckhaltend. Das hat sicherlich auch mit Investitionsunsicherheit zu tun. Viele Unternehmen haben bei neuen Technologien und Systemumgebungen lange abgewartet. Das beginnt schon bei der grunds\u00e4tzlichen Frage: Habe ich meinen eigenen Server im Unternehmen, lasse ich ihn bei einem Provider betreiben oder gehe ich in die Cloud? Der Wille zur Digitalisierung ist da, bei der Umsetzung war man jedoch h\u00e4ufig noch zaghaft. Deshalb besteht durchaus Nachholbedarf, auch wenn Unternehmen die entsprechend notwendigen Investionen scheuen.<\/p>\n<p><strong>Wo sollten Unternehmen aus Ihrer Sicht zuerst ansetzen?<\/strong><br \/>\nEin wichtiger Punkt ist, Prozesse zu verschlanken und grunds\u00e4tzlich zu hinterfragen. Muss ich Mitarbeiter immer wieder in denselben manuellen Abl\u00e4ufen schulen? Oder kann ich bestimmte Prozesse automatisieren? Gerade eine Softwareumstellung bietet die Gelegenheit, jeden Prozessschritt anzuschauen und zu fragen: Ist das noch notwendig oder geht es auch anders? Daf\u00fcr braucht es neben der Investitionsbereitschaft auch personelle Ressourcen und die Unterst\u00fctzung der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung.<\/p>\n<p><strong>Welche Abl\u00e4ufe werden heute noch manuell erledigt, obwohl es l\u00e4ngst anders gehen k\u00f6nnte?<\/strong><br \/>\nEin gutes Beispiel ist der Verkauf. Bestellungen erreichen ein Unternehmen auf ganz unterschiedlichen Wegen: Ein Kunde ruft an, eine Bestellung kommt per E-Mail oder bereits als strukturierter Datensatz \u00fcber eine Schnittstelle. Solche Vorg\u00e4nge lassen sich zunehmend KI-gest\u00fctzt automatisieren. Ein KI-Agent kann die eingehenden Informationen verarbeiten und daraus einen Auftrag generieren \u2013 bis hin zur weiteren Verarbeitung und Rechnungsstellung.<\/p>\n<p><strong>Wenn solche Routinet\u00e4tigkeiten wegfallen, kommt schnell die Sorge auf, dass auch weniger Personal gebraucht wird\u2026<\/strong><br \/>\nNat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir dadurch Ressourcen sparen. Entscheidend ist f\u00fcr mich aber, dass Mitarbeiter von repetitiven T\u00e4tigkeiten entlastet werden und mehr Zeit f\u00fcr wichtigere Aufgaben haben. Das Erfassen eines Auftrags kann beispielsweise automatisiert werden, die Kontrollfunktion bleibt aber beim Menschen. Mitarbeiter m\u00fcssen weiterhin pr\u00fcfen und Besonderheiten ber\u00fccksichtigen, die das System nicht kennen kann. Die manuelle Erfassung wird weniger, die fachliche Kontrolle bleibt.<\/p>\n<p><strong>Gerade angesichts des Fachkr\u00e4ftemangels k\u00f6nnte diese Entlastung aber ein wichtiger Faktor sein, oder?<\/strong><br \/>\nDefinitiv. Das ist aus meiner Sicht einer der gro\u00dfen Hebel. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkr\u00e4ftemangels ist es wichtig, Mitarbeiter von manuellen Routinet\u00e4tigkeiten zu entlasten. So k\u00f6nnen sie sich st\u00e4rker auf Aufgaben konzentrieren, bei denen ihre Erfahrung und fachliche Kompetenz gefragt sind. Es geht f\u00fcr mich nicht darum, Menschen durch Technologie zu ersetzen, sondern ihre Arbeit sinnvoll zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Damit solche automatisierten Prozesse funktionieren, braucht es eine entsprechende Datengrundlage. Welche Rolle spielen Daten heute entlang der Wertsch\u00f6pfungskette?<\/strong><br \/>\nDaten sind das A und O \u2013 egal, ob wir \u00fcber Automatisierung, Digitalisierung oder KI sprechen. Wenn die notwendigen Daten nicht vorhanden sind, kann auch der Prozess nicht funktionieren. Deshalb sollten Informationen aus unterschiedlichen Systemen m\u00f6glichst zentral zusammengef\u00fchrt werden. Das ist beispielsweise f\u00fcr das Berichtswesen, das Qualit\u00e4tsmanagement oder die R\u00fcckverfolgbarkeit wichtig. Viele Informationen wurden in der Vergangenheit noch manuell in Excel-Tabellen gepflegt. Davon sollten wir wegkommen. Eine Softwareumstellung ist deshalb auch eine gute Gelegenheit, aufzur\u00e4umen: Ein ERP-System* wird h\u00e4ufig f\u00fcnf bis zehn Jahre genutzt, in dieser Zeit sammeln sich zwangsl\u00e4ufig Daten an, die irgendwann nicht mehr gebraucht werden. Ich nenne sie einmal \u201eKarteileichen\u201c. Deshalb schauen wir bei einer Umstellung genau hin: Wo liegen die Daten? Sind sie noch aktuell? Welche ben\u00f6tigen wir wirklich? Das ist die Chance, sich von Datenm\u00fcll zu trennen und Strukturen neu zu organisieren.<\/p>\n<p><strong>Und vermutlich findet sich dabei einiges, das gar nicht im zentralen System liegt, sondern in eigenen Excel-Listen der Mitarbeitenden?<\/strong><br \/>\nJa. Als Berater schaue ich mir beispielsweise gerne die Excel-Listen der Mitarbeiter an. Da stellt man h\u00e4ufig fest, dass Informationen zus\u00e4tzlich manuell gepflegt werden. Vielleicht f\u00fchrt der Kollege am Schreibtisch daneben sogar eine \u00e4hnliche Liste. Dann stellt sich die Frage: Warum f\u00fchren wir diese Informationen mehrfach und k\u00f6nnen wir sie nicht zentral im System abbilden?<\/p>\n<p><strong>All das kostet zun\u00e4chst einmal Geld. Wie erleben Sie die Investitionsbereitschaft angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit?<\/strong><br \/>\nWir sehen seit geraumer Zeit eine gewisse Investitionszur\u00fcckhaltung in vielen Branchen. Das merken wir nat\u00fcrlich auch als IT-Dienstleister. Aber gerade eine ruhigere Phase kann ein guter Zeitpunkt sein, um sich auf das zuk\u00fcnftige Gesch\u00e4ft vorzubereiten. Letztlich geh\u00f6rt es zum Unternehmertum, trotz Unsicherheit zu entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt f\u00fcr eine Modernisierung gekommen ist.<\/p>\n<p><strong>Wer heute investiert, muss auch \u00fcberlegen, welche Technologien morgen wirklich relevant sind. Was wird uns aus Ihrer Sicht in den n\u00e4chsten Jahren am st\u00e4rksten besch\u00e4ftigen?<\/strong><br \/>\nAus unserer Sicht eindeutig die KI-gest\u00fctzte Bearbeitung von Prozessen und Aufgaben. Wir nutzen solche Anwendungen auch selbst und sehen, wie sehr sie uns unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Das Thema entwickelt sich enorm schnell. Ich gehe davon aus, dass uns KI in den n\u00e4chsten zwei bis drei Jahren massiv besch\u00e4ftigen wird. Viel weiter w\u00fcrde ich im IT-Bereich momentan gar nicht in die Zukunft schauen. Daf\u00fcr ver\u00e4ndert sich zu viel in zu kurzer Zeit.<\/p>\n<p><strong>Bei der Vielzahl neuer KI-L\u00f6sungen d\u00fcrfte es f\u00fcr Unternehmen allerdings schwierig sein, zu entscheiden, was tats\u00e4chlich sinnvoll ist. Wie gehen Sie damit um?<\/strong><br \/>\nWir werden momentan fast w\u00f6chentlich mit neuen Themen konfrontiert. Auch wir als Berater m\u00fcssen deshalb sortieren: Was davon bringt einem Unternehmen tats\u00e4chlich einen Mehrwert und welches Werkzeug passt zum jeweiligen Kunden? Es geht nicht darum, KI einzusetzen, nur weil sie gerade \u00fcberall diskutiert wird. Die Anwendung muss zum Unternehmen und zu seinen Prozessen passen.<\/p>\n<p><strong>Ein Unternehmen, das diesen Weg gerade geht, ist Paul M. M\u00fcller. Was genau steckt hinter diesem Projekt?<\/strong><br \/>\nWir unterst\u00fctzen Paul M. M\u00fcller dabei, die bestehenden Prozesse zu \u00fcberpr\u00fcfen und sie in einer neuen Softwareumgebung bestm\u00f6glich abzubilden. Dazu geh\u00f6ren die Stammdaten genauso wie Finanzbuchhaltung, Verkauf, Einkauf, Produktion, Logistik und Management. Im Grunde machen wir eine Bestandsaufnahme der Unternehmensprozesse und \u00fcberlegen: Was ist heute vorhanden und wie k\u00f6nnen wir es k\u00fcnftig besser abbilden?<\/p>\n<p><strong>Welchen Fehler sollten Unternehmen bei einer solchen Modernisierung vermeiden?<\/strong><br \/>\nEinfach aus alt neu zu machen. Wenn ich eine neue Software einf\u00fchre und alle alten Daten und Prozesse eins zu eins \u00fcbernehme, habe ich am Ende zwar eine neue Oberfl\u00e4che, aber im Grunde noch dieselben Strukturen. Deshalb sollte man die Gelegenheit nutzen und fragen, bestehende Abl\u00e4ufe grunds\u00e4tzlich zu hinterfragen, statt sie einfach in die neue Systemwelt zu \u00fcbertragen. In der IT sprechen wir dabei auch von einem Greenfield-Ansatz. Man startet auf der gr\u00fcnen Wiese und \u00fcbernimmt nur das, was tats\u00e4chlich ben\u00f6tigt wird. Wenn ein Unternehmen bereit ist, diesen Weg zu gehen und seine bisherigen Abl\u00e4ufe wirklich zu hinterfragen, macht ein solches Projekt auch Spa\u00df.<\/p>\n<p>*zentrale Software zur Steuerung und Verwaltung eines Unternehmens \u2013 etwa in den Bereichen Lager, Verkauf, Finanzen, Einkauf, Personal oder Produktion.<\/p>\n<p><strong>Zur Person:<\/strong><br \/>\nAxel Lehnen ist Senior Projektleiter bei Aptean und begleitet Unternehmen bei der Einf\u00fchrung und Modernisierung von Unternehmenssoftware. In seiner Arbeit besch\u00e4ftigt er sich unter anderem mit der Optimierung und Digitalisierung von Gesch\u00e4ftsprozessen sowie mit der Frage, wie sich neue Technologien sinnvoll in bestehende Abl\u00e4ufe integrieren lassen. Aktuell begleiten er und sein Projekt-Team Paul M. 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